Auf ein Wort: Der König im Krieg

Wie Rolf Suhr auf Kritiker eindrischt

Quelle: Kreiszeitung Wochenblatt vom 12.06.2019

Kritik nicht gewollt: Rolf Suhr

Wer gedacht hätte, dass die Samtgemeinde Apensen nach dem überraschenden Wahlerfolg der politischen Newcomerin Petra Beckmann-Frelock (UWA) zur Ruhe kommt, hat sich gründlich getäuscht.

Kurzer Blick zurück auf die jüngsten Turbulenzen und Skandale: Der Samtgemeinderat beschließt mit breiter Mehrheit, dass ein Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidat von einem teuren Headhunter gesucht wird. Die Kommunalaufsicht stoppt das Verfahren. Die meisten Fraktionen ficht das nicht an. Sie setzen einfach auf einen Wahlvorschlag des Headhunters, machen dabei aber die Rechnung ohne den Wähler: Der lässt die ausgesuchte Kandidatin Manuela Mahnke (SPD) einfach durchfallen. Parallel dazu gibt es Streit mit der Kommunalaufsicht, weil Interimsverwaltungschefin Sabine Benden einen ordentlichen Gehaltszuschlag bekommen soll, solange sie die Verwaltung alleine führt. Nicht rechtskonform, lautet das Urteil in Stade. Die Apenser finden natürlich trotzdem einen Weg, das ohnehin nicht schmale Salär Bendens aufzubessern.

Es wurde von einigen wenigen Kritik an den Entscheidungen geübt, die nach Auffassung von Apensen-Insidern vor allem ein Ergebnis der engen, informellen Zusammenarbeit von Sauensieks Bürgermeister und Chef der CDU-Samtgemeinde-Fraktion, Rolf Suhr, und Verwaltungsfrau Benden sind. Es gibt, das zeigt besonders drastisch eine Mail von Rolf Suhr an seinen Kritiker Jan Gold, noch viele offene Rechnungen zu begleichen.

In der Samtgemeinde gilt nämlich der Grundsatz: Wer König Rolf kritisiert, der muss weg. Denn Kritik an sich duldet der selbsternannte Regent in seinem Reich nicht. Seine Entourage in Rat und Verwaltung in Apensen wird nicht rebellieren, dessen kann sich der König sicher sein. Dass es Rolf Suhr, eigentlich nur CDU-Fraktionschef im Apenser Samtgemeinderat und kein Alleinherrscher, außerordentlich freut, dass Jan Gold – ebenfalls CDU – die Christdemokraten im Samtgemeinderat verlässt und Einzelkämpfer wird, ist keine Überraschung. Wer Suhrs Mail an Gold zu dessen Rücktritt liest, stellt sich allerdings die Frage: Ist Suhr als Einzelkämpfer im Krieg gegen alle, die anders denken und sich nicht seinem Gusto unterordnen, oder ist das noch Lokalpolitik? 

“Höre auf, dich ständig an meiner Person zu reiben, du bist zu schwach und kannst dabei nur verlieren und es schadet deiner Gesundheit”, teilt König Rolf dem unbotmäßigen Untertan Jan Gold mit. Über Inhalte, vom Beckdorfer Kitabau bis hin zur Headhuntersuche nach einem Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidaten, kann man ja heftig streiten. Was Rolf Suhr hier abzieht, hat aber weder mit Politik noch mit Inhalten zu tun. Es ist schlicht und ergreifend ein Abgrund, der sich auftut. Die Werte christlich und demokratisch im Parteinamen CDU haben für Suhr offenbar nur symbolischen Wert auf Wahlplakaten.

Dass Jan Gold seine Kandidatur fürs Samtgemeinde-Bürgermeisteramt zurückgezogen hat, war in der Tat kein Zeichen von Stärke und Klugheit. Da setzt der superstarke Rolf Suhr natürlich nach: “Ein größeres Versagen gibt es wohl kaum. Damit hast du dich der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch deine Blutsbrüder Peter Sommer und Siegfried Stresow, die dich auf den Schild gehoben haben, konnten dir nicht helfen.” Klarer Fall: Auch Sommer und Stresow sind Deppen, in der Suhr’schen Welt zumindest.

Jan Gold soll auch endlich aus der CDU austreten, findet König Rolf. “Leute wie dich können wir nicht gebrauchen.” Im Suhr’schen Königreich ist Kritik Majestätsbeleidigung. Und Gold hatte es doch tatsächlich gewagt, Suhr zum Rücktritt vom Fraktionsvorsitz aufzufordern – Majestätsbeleidigung! 
Was König Rolf und seine “Verwaltungs-Prinzessin” Sabine Benden im Apensener Rathaus dabei übersehen: Die Wählerinnen und Wähler haben von derlei Machtdemonstrationen und Intrigen die Nase gestrichen voll. Sonst wäre die gänzlich unerfahrene Petra Beckmann-Frelock nicht im ersten Wahlgang zur Samtgemeinde-Bürgermeisterin gewählt worden. Jede Wette, König Rolf und Prinzessin Sabine überlegen schon, wie sie die Neue ausbremsen oder einnorden können.
Tom Kreib

Fotos: Kreiszeitung Wochenblatt Online

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