Stresow tritt zurück, Sommer hat Rücktritt beantragt

Die interessante Frage ist, wer das Amt des Samtgemeindebürgermeisters übernehmen wird, wenn Sommers Antrag durchgeht. Frau Benden? Oder Herr Steltenpohl? Mal schauen, wen die CDU aus dem Hut zieht…

Dann adé, Apensen.


Stresows überraschender Rücktritt schockt Apensen

APENSEN/BECKDORF. Siegfried Stresow hat die Faxen dicke: Der Bürgermeister von Beckdorf und Vorsitzende des Samtgemeinderats gibt seine politischen Ämter in Gemeinde und Samtgemeinde auf. Auch Samtgemeindebürgermeister Sommer will vorzeitig in den Ruhestand versetzt werden.

„Die Entscheidung der Samtgemeinde Apensen, den Kindergarten-Anbau in Beckdorf durch die Samtgemeinde durchführen zu lassen, erachte ich nach wie vor als falsche Entscheidung, da sie finanzielle Mehrkosten erzeugt und möglicherweise zeitliche Verzögerungen mit sich bringt“, teilt Stresow (SPD) in einem Schreiben an Samtgemeindebürgermeister Peter Sommer als Grund für seinen Rücktritt mit. In dem Brief, der dem TAGEBLATT vorliegt, informiert Stresow Sommer über die sofortige Amtsniederlegung aller seiner politischen Mandate in der Samtgemeinde Apensen. Im Klartext: Beckdorf hat keinen Bürgermeister mehr, der Samtgemeinderat verliert ein weiteres SPD-Mitglied und seinen Vorsitzenden.

Selbstverständlich respektiere er die Mehrheitsentscheidung zur Kita-Erweiterung, so Stresow. Das hatte er, wie berichtet, auch bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend betont. „Aber ich billige sie nicht, da es meines Erachtens keine rationale, sondern eine machtpolitische Auseinandersetzung ist“, so Stresow. Er kann nicht nachvollziehen, warum Mitglieder des Beckdorfer Rats im Samtgemeinderat dafür gestimmt haben, die Planungen für den Kita-Erweiterungsbau in die Hände der Samtgemeinde zu geben, obwohl sie im Beckdorfer Rat die Entscheidung für den Bau unter Gemeinderegie mitgetragen hatten. Die beiden Grünen Peter Löwel und Marion Augustin sowie Markus Tschritter von der CDU und der fraktionslose Rolf Makoschey hatten als Beckdorfer Ratsmitglieder im Samtgemeinderat gegen den Beckdorfer Beschluss – und damit gegen den eigenen Bürgermeister – gestimmt.


„Ohne Not wird wieder einer oben drauf gesetzt“

Sie waren dem vor allem von Rolf Suhr, Chef der Samtgemeinde-CDU, vorangetriebenen Antrag gefolgt, die Planungshoheit an die Samtgemeinde zu übertragen. „Neben den Kosten für den Grunderwerb von knapp 50.000 Euro müssen durch die Samtgemeinde für die Kita nun auch noch geschätzte 800.000 Euro mehr finanziert werden, da das Grundstück von der Gemeinde Beckdorf übernommen werden muss. Infrastrukturkosten aus Beckdorf entfallen in gleicher Höhe, diese wären aus dem Baugebiet erzielt worden“, so Stresow. „Als hätten wir in der Samtgemeinde Apensen nicht schon einen gewaltigen Schuldenberg, wird ohne Not wieder einer oben drauf gesetzt.“

Er sei verwundert über einige Ratsmitglieder aus Beckdorf, die auch im Samtgemeinderat sitzen und nun gegen die Beckdorfer Variante gestimmt haben. „Sowohl bei den Haushaltsberatungen im Frühjahr, als auch beim Gesamtkonzept Baugebiet/Anbau Kindergarten herrschte noch große Einmütigkeit im Gemeinderat Beckdorf, dieses gemeinsam vor Ort umzusetzen.“ Auch die Kommunalaufsicht des Landkreises Stade habe dieses Konzept aus Beckdorf ebenfalls begrüßt und den Haushalt 2018 anstandslos genehmigt. „Insbesondere den Mitgliedern der Grünen aus Beckdorf kreide ich hier Unredlichkeit an“, so Stresow.

„Die jahrelangen Vorbereitungen der Gemeinde und die Gesamtphilosophie zu diesem Thema werden mit einem Handstreich vom Tisch gewischt, indem man unter die Decke der Samtgemeinde-CDU krabbelt und falsche Kostenaufstellungen verbreitet, die die Verwaltung widerlegt hat.“ Leider seien die grünen Ratsneulinge in dieser Frage beratungsresistent und hätten dadurch weitere Ratsmitglieder auf den Irrweg geführt, so Stresow. „Die Erklärung, die von den Grünen im Samtgemeinderat vorgelesen wurde, war grob fahrlässig, rechnerisch falsch und insgesamt trügerisch.“

Stresow übernimmt politische Verantwortung


Stresow übernimmt für das Scheitern des Beckdorfer Konzepts die politische Verantwortung: „Es ist mir nicht gelungen, insbesondere den neuen Mitgliedern im Rat die lange geplante Vorgehensweise näher zu bringen und das Vorhaben gemeinsam durchzuführen“, sagt der 60-Jährige. „Bevor die Grünen nun noch mehr Tafelsilber auf dem Tablett an die Samtgemeinde abgeben und uns die Samtgemeinde-CDU mit Hilfe der Grünen noch mehr Zuständigkeiten abnimmt, habe ich jetzt kein Interesse mehr, mich am Nasenring durch die Manege führen zu lassen und nur noch den Grüßonkel zu geben.“

Damit zielt Stresow insbesondere in Richtung Rolf Suhr. Der Fraktionsvorsitzende der Samtgemeinde-CDU war federführend, als es darum ging, die bereits weit fortgeschrittenen Beckdorfer Pläne zu torpedieren. Suhr soll zudem auch ein massives Interesse daran haben, dass auch Samtgemeindebürgermeister Peter Sommer die Apenser Bühne verlässt. Und Sommer möchte offenbar tatsächlich in den vorzeitigen Ruhestand gehen: „Das ist ein laufendes Verfahren und deshalb möchte ich dazu nichts sagen“, so Sommer zum TAGEBLATT.

„Es gibt einen Antrag, eine Entscheidung wird noch diesen Monat fallen.“ Darüber habe er den Samtgemeinderat mit der Bitte um Vertraulichkeit informiert. Es ist kein Geheimnis, dass Suhr nicht gut auf Sommer zu sprechen ist und dessen Arbeit häufig kritisiert. Sommer ist nicht nur Samtgemeindebürgermeister, sondern auch Gemeindedirektor in Beckdorf. „Für manche hier bin ich einfach nur die Flachpfeife, die an allem schuld ist“, hatte der frustriert wirkende Verwaltungschef bereits vor zwei Jahren im TAGEBLATT-Interview gesagt.

Um Spekulationen über einen Zusammenhang von Sommers Wunsch nach Rückzug mit Stresows Rücktritt entgegenzutreten, legt der bei einem großen Teil des Wahlvolks überaus beliebte „Siggi“ Stresow allerdings Wert auf die Feststellung, dass sein Rücktritt in keiner Weise mit anderen Entscheidungen in der Samtgemeinde Apensen oder der Gemeinde Beckdorf zu tun habe. „Mir ist es wichtig, dass ich mir meine Überzeugung, meine Ehrlichkeit und meine Glaubwürdigkeit bewahre“, so Stresow. Seinen Sitz im Kreistag wolle er zunächst behalten, bestätigte er dem TAGEBLATT. Der Beckdorfer bedankt sich für eine „tolle Zeit, die ich nicht missen möchte“ und hat noch einen letzten politischen Tipp für seine ehemaligen Kollegen: „Seit meinem Einstieg in die Kommunalpolitik der Samtgemeinde Apensen im Jahr 1996 plädiere ich für die Einrichtung einer Einheitsgemeinde. Meine Hoffnung beruht darauf, dass das aus Kostengründen und zur Vermeidung von Kompetenzgerangel weiter verfolgt und früher oder später auch umgesetzt wird.“

Peter Sommer


Peter Sommer wurde erstmals im Dezember 1997 zum Bürgermeister der Samtgemeinde Apensen gewählt. Zuletzt wurde er 2014 mit knapper Mehrheit für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt. Der 58-Jährige stammt aus Soost in Nordrhein-Westfalen. Vor seiner Karriere in der Verwaltung war er über zehn Jahre bei der Luftwaffe und unter anderem viereinhalb Jahre in England stationiert. Nach einem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt ging Sommer zur Stadt Braunschweig. Über Stationen bei der Stadt und dem Landkreis Wolfenbüttel kam er nach Apensen. Sommer ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. Er wohnt in Goldbeck.


Ein Tiefschlag – außer für Suhr

Ein Kommentar von Sabine Lepél

Der Rücktritt von Siegfried Stresow ist eine schlechte Nachricht für Beckdorf und die Samtgemeinde Apensen – zumal davon auszugehen ist, dass „Siggi“ nicht den Seehofer macht und sich zu einem Rücktritt vom Rücktritt überreden lässt. Stresow gehört zu den fähigsten Politikern in der Samtgemeinde und wird mit seinem reichen Schatz an politischer Erfahrung eine riesige (Wissens-)Lücke in den Räten hinterlassen.

Und das, wo in Beckdorf mit der Umsetzung des Neubaugebiets „An der Blide“ und der Erweiterung des Kita-Gebäudes überaus wichtige Entscheidungen anstehen. Auch für die SPD in Apensen ist Stresows Abgang ein Tiefschlag. Die Partei befindet sich seit dem Rückzug von Kurt Matthies auf dem absteigenden Ast und verliert nun den nächsten Hochkaräter im Samtgemeinderat und im Beckdorfer Rat. Der einzige, der von Stresows Rücktritt profitieren könnte, ist Sauensieks Bürgermeister Rolf Suhr, denn Stresow war einer der wenigen, die Suhr das Wasser reichen und den machtbewussten CDU-Chef auch mal in die Schranken weisen konnten.

Wenn Suhr es jetzt auch noch schafft, Samtgemeindebürgermeister Peter Sommer aus dem Amt zu treiben und stattdessen Sauensieks getreue Gemeindedirektorin Sabine Benden als Kandidatin für den Chefsessel im Rathaus zu installieren, ist er endgültig der unstrittig stärkste Mann in Apensen. Die Wähler, die ja letztlich über die Sommer-Nachfolge entscheiden werden, dürften so eine Strategie allerdings eher nicht goutieren.

Quelle: https://www.tageblatt.de/lokales/apensen/apensen-artikel_artikel,-Stresows-ueberraschender-Ruecktritt-schockt-Apensen-_arid,1377792.html vom 04.07.2018

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