Stresow über Apenser Chaos: Frau Raffzahn und die Ignoranten

Stresow über Apenser Chaos: Frau Raffzahn und die Ignoranten

Quelle: BT-Online v. 02.01.2019: https://www.tageblatt.de/lokales/apensen_artikel,-Stresow-ueber-Apenser-Chaos-Frau-Raffzahn-und-die-Ignoranten-_arid,1413921.html

Von Daniel Beneke

APENSEN. Siegfried Stresow, war 22 Jahre im Rat der Samtgemeinde Apensen vertreten, davon zwölf Jahre als ihr Ratsvorsitzender. Die aktuelle Situation in Apensen veranlasste Stresow jetzt zu einer Stellungnahme.

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Man könnte auch sagen, der Strippenzieher der Apenser Puppenkiste hält die Fäden fest in der Hand, und die Marionetten tanzen nach seiner Pfeife. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht gerade um die Mitglieder im Samtgemeinderat Apensen gehen würde.

Abstruse Angelegenheiten erschüttern derzeit die Geestgemeinde Apensen, und der ganze Landkreis Stade schaut amüsiert zu und kommentiert die Ereignisse mit Hohn und Spott. Ein unerträglicher Zustand für alle Bürgerinnen und Bürger aus dem Samtgemeindegebiet, der unverzüglich beendet werden muss.

Zwei Attribute aus Apensen sind seit Jahrzehnten hinlänglich bekannt: Neben der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis Stade, ist die Streitfähigkeit der Samtgemeinde-Politiker ebenfalls immer ein Thema. Aber jetzt scheint alles aus dem Ruder zu laufen, die neuerlichen Hiobsbotschaften aus Apensen erreichen einen unerreichten Höhepunkt. Die Headhunter-Suche nach einem neuen Bürgermeister, die Raffzahn-Affäre der Verwaltungschefin, und nun die Absage an den Landrat, Herrn Roesberg, der die Mitglieder des Verwaltungsausschusses einbestellt hatte. Und diese neuerlichen Zuwiderhandlungen sind nur der berühmte Eisberg, da schlummert noch viel mehr.

Wie konnte es zu der Entwicklung kommen? Seit drei Monaten ist der langjährige Bürgermeister Peter Sommer im vorzeitigen Ruhestand, sein Nachfolger soll im Mai 2019 gewählt werden. Man hat den Eindruck, dass Frau Raffzahn – dieser Beiname grassiert in Apensen – diesen Moment gar nicht abwarten konnte, nach dem Motto „Jetzt bin ich die Herrin in der Samtgemeinde, nun werde ich Euch mal zeigen, wie es richtig gemacht wird“. Und wer sie dabei in ihrer eingebildeten vermeintlichen Gedankenfreiheit steuert, merkt sie gar nicht.

Und ein Großteil der Samtgemeinde-Politiker merkt es auch nicht, die heben nur noch die Hand, wenn es von ihnen erwartet wird. Sie sind politische Dilettanten und nur noch Erfüllungsgehilfen von einem Duo aus Größenwahn und Hochmut. Da lobe ich mir den neuen Beckdorfer Bürgermeister, einer der wenigen, der die Zeichen der Zeit erkannt hat und seinen eigenen Fraktionschef zum Rücktritt aufgefordert hat, ebenso Frau Raffzahn, die die gleiche Aufforderung erhielt. Hut ab Jan Gold, endlich mal einer mit Arsch in der Hose.

Die FWG hat mit Ursel Hohmann schon vor Jahren ihre Galionsfigur verloren, und seit Jahren wehrt sie sich zu wenig gegen die CDU-Dominanz.

Ebenso die SPD, man hört sie nicht mehr, man sieht sie nicht mehr, auch die SPD ist im allumfassenden Politikerbrei aufgegangen, man geht einfach den Weg des geringsten Widerstandes.
Und die Grünen: Man konnte zu Fritz Mauk und Dieter Kröger stehen, wie man wollte, aber in der Sache haben sie für ihre Ideale eingestanden und leidenschaftlich gekämpft. Die heutigen Vertreter der Grünen haben sich schon Mitte des Jahres 2018 von der Samtgemeinde-CDU vereinnahmen lassen, als sie die langjährige Beckdorfer Philosophie zum Kindergartenbau an die Samtgemeinde verscherbelt haben. Jetzt wurde bekannt, ein Betreuungsraum und somit eine Gruppe wurden bereits in den neuerlichen Planungen gestrichen.

Den Gesprächstermin bei Herrn Roesberg abzusagen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich bin mir sicher, dass der Landrat den Politikern eine Brücke bauen wollte, um weiteren Schaden in der Kommune und der Verwaltungsspitze zu vermeiden, jetzt aber läuft die Samtgemeinde Gefahr unter Zwangsverwaltung gestellt zu werden. Herr Roesberg hat nicht zum Kaffeekränzchen geladen, sondern die Mitglieder des Verwaltungsausschusses einbestellt, um auf die prekäre Lage der Samtgemeinde einzugehen. Dieses zu ignorieren, ist nicht nur höchst unverantwortlich, es ist auch grob fahrlässig.
Ich weiß, die Kommunalverfassung gibt es nicht her, aber im Mai wäre es angebracht, nicht nur eine neue Rathauschefin oder Chef zu wählen – einen neuen Samtgemeinderat und Verwaltungsausschuss könnten wir auch gebrauchen. Um diesen politischen Spuk von der Samtgemeinde abzuwenden, kann ich die Ignoranten, die beim Landrat nicht angetreten sind, nur auffordern, unverzüglich ihren Rücktritt einzureichen und ihr Mandat zurückzugeben. Und nehmt Frau Raffzahn bitte gleich mit.

Zur Person

Siegfried Stresow, war selber 22 Jahre im Rat der Samtgemeinde Apensen vertreten, davon zwölf Jahre als ihr Ratsvorsitzender. Viele Jahre lang war der Sozialdemokrat Beckdorfs Bürgermeister. Im vergangenen Jahr trat Siegfried Stresow aus Frust über die politische Kultur in der Samtgemeinde von allen politischen Ämtern in Apensen zurück. Das TAGEBLATT druckt diesen offenen Brief, der für Stresow keine politische Abrechnung seiner Mitgliedschaft im Rat der Samtgemeinde und auch keine billige Retourkutsche sein soll. Stresow spricht von dem Versuch, „dieses unerträgliche Schauspiel zu beenden, und Apensen aus den Negativ-Schlagzeilen rauszuholen“.

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